Scheeßel an Korallenriff
Dieter Ulrichs globale Funkkontakt-Liste ist fast komplett - Von André Ricci
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In Kontakt mit der Welt: Amateurfunker Dieter Ulrich Foto: Ricci
09.02.2010 10:00:00
Scheeßel
  Die einen sammeln Briefmarken, die anderen Bierdeckel, manche auch Zinnfiguren oder Abziehbilder. Dieter Ulrich sammelt Rufzeichen, genauer gesagt: QSL-Karten, die Funkkontakte bestätigen. In 40 Jahren hat der Scheeßeler es in einer reichlich skurrilen Disziplin bis an die Weltspitze geschafft.

Der Globus der Amateurfunker kennt mehr Länder als der Globus der Politik: Statt in 193 Nationen teilt die weltweit vernetzte Funkergemeinde die Erde in 338 DXCC-Gebiete auf. Auf allen Kontinenten sitzen lizenzierte Amateurfunker und jagen nach Kürzeln wie JD1 (Minami Torishima, eine japanische Koralleninsel im Pazifik) oder KG4 (Guantanamo Bay). Ob Kontakte anerkannt werden, entscheidet sich nach strengen Kriterien. Erster Schritt sind Bestätigungspostkarten (QSL-Karten), die sich die Funker gegenseitig zukommen lassen. Danach prüfen die autorisierten Stellen, ob alles mit rechten Dingen zugegangen ist – und das kann dauern.

So musste Ulrich neun Jahre zittern, bis ihm Ende 2009 endlich ein Fernschreiber-Funkkontakt mit 701YGF bestätigt wurde. Hinter der kryptischen Zahlen-Buchstaben-Kombination verbirgt sich der Yemen, eines jener schwierig zu bekommenden DXCC-Länder ohne Amateurfunkerszene. Eine deutsche Expedition machte sich 2000 in den Wüstenstaat auf, um von dort in die Welt zu funken. In Fachzeitschriften werden solche Projekte vorher angekündigt, damit jeder die Chance hat, gezielt auf die Jagd nach den Funkraritäten zu gehen.

Auch Ulrich setzte sich in Scheeßel an den Transceiver und richtete seine 18 Meter hohe Hausantenne mit Erfolg in Richtung Naher Osten aus. Die Anerkennung der Funk-Expedition als offizielles, behördlich genehmigtes Unterfangen ließ im nicht gerade für seine Effizienz bekannten Yemen auf sich warten, doch als sie endlich eintraf, war das für den gebürtigen Hamburger Ulrich eine Art Ritterschlag: Nach vier Jahrzehnten hatte er alle Kürzel der DXCC-Länderliste beisammen – fast. Denn BS7 fehlt noch immer...

Das gallische Dorf auf Ulrichs Weltkarte heißt Scarborough Reef und ist wenig mehr als ein Haufen Steine und Korallen im südchinesischem Meer. Einzige dauerhafte Bewohner des größtenteils unter der Wasseroberfläche liegenden Riffkranzes sind primitive Algen und die staatliche Zugehörigkeit des Gebiets ist zwischen China, Taiwan und den Philippinen durchaus umstritten. Also eine harte Nuss, die auf den Most-Wanted-Listen der Amateurfunker rund um den Globus seit jeher ganz oben rangiert. "2007 gab es die letzte Expedition dorthin“, berichtet Ulrich. Dem pensionierten Diplom-Finanzwirt ist es damals zwar tatsächlich gelungen, mit dem gottverlassenen Riff in Kontakt zu treten, jedoch nur durch Morsezeichen, nicht als Fernschreiber. Das reicht nicht aus, um die Liste zu vervollständigen. Und wann sich wieder einmal tollkühne Funker aufmachen, um den Algen Gesellschaft zu leisten, steht in den Sternen.

Die Freude am Hobby trübt das freilich nicht, denn beim Amateurfunken geht es um weit mehr als nur ums Sammeln seltener QSL-Karten entlegener Regionen. Wie eine Art Ur-Internet verbindet die aufwendige Funktechnik Menschen verschiedener Weltgegenden und lässt reale Freundschaften entstehen – in Ulrichs Fall etwa mit i8AA aus Kalabrien und F8XT aus Frankreich. "Funker aus den USA, Australien und Frankreich waren schon meine Gäste“, berichtet der Scheeßeler, der mit der Funktechnik erstmals als Soldat der Bundeswehr in Berührung kam und am 15. November 1969 gegen 17 Uhr mit einem Fernmeldekontakt zu i1AFF aus der Region Rom sein Debüt als lizenzierter Amateurfunker hinlegte.

40 Jahre und tausende QSL-Karten später spannt Ulrich, gefragt nach den frühesten Wurzeln seiner Leidenschaft für den Amateurfunk, den Bogen weit: "Als Kinder haben wir uns in Hamburg mit Taschenlampen Signale von Haus zu Haus geschickt...“ © Rotenburger Rundschau GmbH & Co. KG



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